Für Feindfahrten auf hoher See begannen die Deutschen im Jahr 1935 mit der Entwicklung eines neuen, grösseren, besser bewaffneten und hochseetauglichen U-Boot Typen. Dies sind die U-Boote des Typs IX. Sie wurden dazu konzipiert, um lange Strecken zurückzulegen und weit weg von der Heimat zu operieren, zum Beispiel vor der Küste Amerikas beim Unternehmen Paukenschlag, oder in der Gruppe Monsun im fernen Osten.
Es wurden insgesamt 243 Einheiten des Typs IX gebaut, was ihn zum zweitmeist gebauten U-Boot Typen, hinter dem Typ VII, im zweiten Weltkrieg macht. Die U-Boote des Typs IX waren mit sechs Torpedorohren ausgestattet. Davon vier im Bug und zwei im Heck. Mit insgesamt 22 Schuss hatten diese sehr viel Feuerkraft und waren deshalb auf lange Feindfahrten ausgelegt. Weiter bewaffnet waren die Typ IX Boote vor allem mit einem 10.5 cm Deckgeschütz auf dem Vorderdeck, einem 2.0 cm C/30 Flakgeschütz auf der Plattform im Wintergarten und manchmal auch mit einer 3.7 cm M 42 schweren Flak auf dem Hinterdeck. Durch weitere Turmbauten, welche später im Krieg eingesetzt wurden, konnten dann auch in einem zweiten Wintergarten direkt hinter dem bestehenden Wintergarten anstelle einer 3.7 cm M 42 schweren Flak ein weiteres 2.0 cm C/30 Flakgeschütz platziert werden. Durch die Vergrößerung der Wintergarten-Plattformen durch einen weiteren Turmbau, fanden nun zwei 2.0 cm Flakgeschütze auf dem oberen Wintergarten, und eine 3.7 cm M 42 schwere Flak auf dem unteren Wintergarten Platz.
Das 10.5 cm Deckgeschütz wurde später im Kriegsverlauf genau wie bei den Typ VII Booten entfernt, da sie nicht mehr effektiv im Kampf waren (mehr dazu im Artikel zu den Deckgeschützen) und durch einen Schnorchel ersetzt, welche es den U-Booten erstmalig erlaubte, mehr Zeit der Feindfahrt unter statt über dem Wasser zu verbringen.
Typ IX (A)
| Gebaute Einheiten | 8 |
| U-Boot Nummern | U37 – U44 |
| Besatzung | 48 Mann (davon 4 Offiziere) |
| Höchstgeschwindigkeit (über Wasser) | 18.2 kn |
| Höchstgeschwindigkeit (getaucht) | 7.7 kn |
| Reichweite (über Wasser) | 10500 sm bei 10 kn |
| Reichweite (getaucht) | 78 sm bei 4 kn |
| Maximale Tauchtiefe | 200 m |
| Torpedorohre | 6 Stück (4 Bug, 2 Heck) |
| Torpedokapazität | 22 Torpedos |
| Flakgeschütz | 1 x 2.0 cm L/65 C/30 Flak / 1 x 3.7 cm M 42 schwere Flak |
| Deckgeschütz | 1 x 10.5 cm Utof L/45 Sk |
| Länge | 76.5 m |
| Breite | 6.51 m |
| Höhe | 9.4 m |
| Tiefgang | 4.7 m |
| Verdrängung (über Wasser) | 1032 Tonnen |
| Verdrängung (getaucht) | 1153 Tonnen |
Die ersten U-Boote des Typs IX besassen noch gar keine Untergruppierung, weshalb der Ordnungsbuchstabe «A» im Titel auch nur in Klammern steht. Die Typ IX Boote waren die ersten U-Boote der deutschen Unterseeboot-Flotte, welche eine Reichweite von über 10000 sm hatten. Sie waren somit bestens geeignet für längere Operationen im Atlantik oder um weite Distanzen zurückzulegen. Die Entwicklung des Typs IX ging aus dem früher entwickelten Typ I hervor. Der Typ IX besitzt ebenfalls wie der Typ I sechs Torpedorohre, vier am Bug, zwei am Heck, konnte aber deutlich mehr Torpedos laden, was die Dauer der Feindfahrten noch einmal verlängerte. Einige Torpedos befanden sich dabei in externen Reserven. Der Transfer der externen Torpedos in den Druckkörper stellte sich aber im Verlaufe des Krieges als gefährlich dar, da der Transfer eines einzelnen Torpedos bis zu einer Stunde dauern konnte. In dieser Zeit war das Boot den feindlichen Fliegerangriffen hilflos ausgeliefert. Da die Anzahl an Fliegerangriffen immer mehr zunahm, wurden die externen Reserven gegen Ende des Krieges nicht mehr gebraucht. Es wurden lediglich acht Einheiten des Typs IX gebaut, bevor man die Entwicklung zu Gunsten des Typs IX B und des Typs IX C einstellte.
Typ IX B

| Gebaute Einheiten | 14 |
| U-Boot Nummern | U64 / U65 / U103 – U111 / U122 – U124 |
| Besatzung | 48 Mann (davon 4 Offiziere) |
| Höchstgeschwindigkeit (über Wasser) | 18.2 kn |
| Höchstgeschwindigkeit (getaucht) | 7.7 kn |
| Reichweite (über Wasser) | 12000 sm bei 10 kn |
| Reichweite (getaucht) | 64 sm bei 4 kn |
| Maximale Tauchtiefe | 200 m |
| Torpedorohre | 6 Stück (4 Bug, 2 Heck) |
| Torpedokapazität | 22 Torpedos |
| Flakgeschütz | 1 x 2.0 cm L/65 C/30 Flak / 1 x 3.7 cm M 42 schwere Flak |
| Deckgeschütz | 1 x 10.5 cm Utof L/45 Sk |
| Länge | 76.5 m |
| Breite | 6.51 m |
| Höhe | 9.4 m |
| Tiefgang | 4.7 m |
| Verdrängung (über Wasser) | 1051 Tonnen |
| Verdrängung (getaucht) | 1178 Tonnen |
Rein äusserlich gibt es kaum einen Unterschied zwischen den Typ IX und den Typ IX B Booten. Der grösste Unterschied zwischen den beiden Typen ist die Grösse der Treibstoffbunker. Der Typ IX B konnte 165 t mehr Treibstoff als sein Vorgänger transportieren, wodurch die ohnehin schon grosse Reichweite des Typs IX nochmal um fast 2000 sm erweitert werden konnte. Die neueren IX B Boote waren auch etwas schwerer als die des Typs IX.
Auf die einzelnen Boote heruntergerechnet, waren die Boote des Typs IX B die erfolgreichsten im gesamten Krieg. Im Durchschnitt versenkten die Typ IX B Boote über 100‘000 BRT feindlicher Schiffraum. Auch die erfolgreichste Feindfahrt eines U-Bootes wurde von einem Typ IX B Boot durchgeführt. Dies war nämlich die zweite Feindfahrt der U107, kommandiert von Günter Hessler, der allein auf einer Feindfahrt in Richtung Freetown fast 90‘000 BRT feindlicher Schiffsraum versenkte.
Typ IX C

| Gebaute Einheiten | 54 |
| U-Boot Nummern | U66 – U68 / U126 – U131 / U153 – 166 / U171 – U176 / U501 – U524 |
| Besatzung | 48 Mann (davon 4 Offiziere) |
| Höchstgeschwindigkeit (über Wasser) | 18.2 kn |
| Höchstgeschwindigkeit (getaucht) | 7.7 kn |
| Reichweite (über Wasser) | 13400 sm bei 10 kn |
| Reichweite (getaucht) | 64 sm bei 4 kn |
| Maximale Tauchtiefe | 200 m |
| Torpedorohre | 6 Stück (4 Bug, 2 Heck) |
| Torpedokapazität | 22 Torpedos |
| Flakgeschütz | 1 x 2.0 cm L/65 C/30 Flak / 1 x 3.7 cm M 42 schwere Flak |
| Deckgeschütz | 1 x 10.5 cm Utof L/45 Sk |
| Länge | 76.5 m |
| Breite | 6.51 m |
| Höhe | 9.4 m |
| Tiefgang | 4.7 m |
| Verdrängung (über Wasser) | 1120 Tonnen |
| Verdrängung (getaucht) | 1232 Tonnen |
Der Typ IX C war die Weiterentwicklung des Vorgänger Typen IX B. Die einzig grosse Veränderung im Vergleich zu seinem Vorgänger war, dass der Treibstoffbunker erneut um 43 t erweitert wurde. Dies war möglich, indem man den Platz zwischen dem Druckkörper und der Aussenhülle besser genutzt hat. Durch die zusätzlichen 43 t Treibstoff konnte die Reichweite der Typ IX C Boote auf bis zu 13400 sm erweitert werden.
Beim Typ IX C wurden auch erstmals die bereits erwähnten vergrösserten Turmbauten für mehr Flakgeschütze angewendet, und im Verlauf des Krieges wurden auf den Typ IX C Booten auch erstmals Schnorchel zur verbesserten Unterwasserfahrt eingebaut.
Typ IX C/40
| Gebaute Einheiten | 87 |
| U-Boot Nummern | U167 – U170 / U183 – U194 / U525 – U550 / U801 – U806 / U841 – U846 / U853 – U858 / U865 – U870 / U877 – U881 / U889 – U891 / U1221 – U1238 |
| Besatzung | 48 Mann (davon 4 Offiziere) |
| Höchstgeschwindigkeit (über Wasser) | 18.2 kn |
| Höchstgeschwindigkeit (getaucht) | 7.7 kn |
| Reichweite (über Wasser) | 13850 sm bei 10 kn |
| Reichweite (getaucht) | 63 sm bei 4 kn |
| Maximale Tauchtiefe | 200 m |
| Torpedorohre | 6 Stück (4 Bug, 2 Heck) |
| Torpedokapazität | 22 Torpedos |
| Flakgeschütz | 1 x 2.0 cm L/65 C/30 Flak / 1 x 3.7 cm M 42 schwere Flak |
| Deckgeschütz | 1 x 10.5 cm Utof L/45 Sk |
| Länge | 76.5 m |
| Breite | 6.51 m |
| Höhe | 9.4 m |
| Tiefgang | 4.7 m |
| Verdrängung (über Wasser) | 1144 Tonnen |
| Verdrängung (getaucht) | 1257 Tonnen |
Der Typ IX C/40 ist praktisch identisch zu seinem Vorgänger, dem Typ IX C. Die einzige wirkliche Veränderung, die es zwischen den Typen gab, sind die erneut ein bisschen vergrösserten Treibstoffbunker. Dennoch sind die Boote vom Untertyp IX C/40 die meistgebauten Typ IX Boote von allen. Es sollten ursprünglich sogar noch 76 Einheiten mehr dieses Typs gebaut werden. Die Lieferverträge dieser Boote wurden aber auf Grund der Priorität der Entwicklung und des Baus der neuen «Elektroboote» des Typs XXI 1944 annulliert. Ansonsten durchliefen die Typ IX C/40 Boote, mit den neuen Turmbauten und dem Schnorchel, die gleiche Entwicklung wie die Typ IX C Boote.
Typ IX D1
| Gebaute Einheiten | 2 |
| U-Boot Nummern | U180 / U195 |
| Besatzung | 55 Mann |
| Höchstgeschwindigkeit (über Wasser) | 16.5 kn |
| Höchstgeschwindigkeit (getaucht) | 6.9 kn |
| Reichweite (über Wasser) | 12750 sm bei 10 kn |
| Reichweite (getaucht) | 115 sm bei 4 kn |
| Maximale Tauchtiefe | 200 m |
| Torpedorohre | 6 Stück (4 Bug, 2 Heck) |
| Torpedokapazität | 24 Torpedos |
| Flakgeschütz | 1 x 2.0 cm L/65 C/30 Flak / 1 x 3.7 cm M 42 schwere Flak |
| Deckgeschütz | – |
| Länge | 87.58 m |
| Breite | 7.5 m |
| Höhe | 10.20 m |
| Tiefgang | 5.35 m |
| Verdrängung (über Wasser) | 1610 Tonnen |
| Verdrängung (getaucht) | 1799 Tonnen |
Die erste grosse Weiterentwicklung der Boote des Typs IX fand mit dem Untertyp IX D1 statt. Die U-Boote des Typs IX D1 waren im Vergleich zu seinen Vorgängern IX, IX B, IX C und IX C/40 um rund 10 Meter länger. Im Vergleich zu seinen Vorgängern fanden auch 7 Matrosen mehr Platz auf dem Boot.
Der Typ IX D1 war ein eher experimenteller Typ. Bei beiden Modellen wurden die Torpedorohre ausgebaut, um Platz für Treibstoffbunker zu machen, um als Treibstoffversorger in den Einsatz geschickt zu werden.
Beim Typ IX D1 wurden auch zum ersten Mal die Dieselmotoren mit langsamer Umdrehungszahl mit solchen Modellen, welche auf Torpedobooten zu finden waren, ersetzt. Obwohl sie mit 20.7 kn sehr schnell fahren konnten, waren sie in Hinsicht der Zuverlässigkeit und der Fahrstrecke ein Misserfolg. Die Maschinen wurden auf Kosten der Geschwindigkeit wieder durch normale Dieselmaschinen mit langsamer Umdrehungszahl ersetzt. Abgesehen von den Flakgeschützen besass der Typ IX D1 aber keine Überwasserbewaffnung.
Typ IX D2

| Gebaute Einheiten | 28 |
| U-Boot Nummern | U177 – U179 / U181 / U182 / U196 – U200 / U847 – U852 / U859 – U864 / U871 – U876 |
| Besatzung | 55 Mann |
| Höchstgeschwindigkeit (über Wasser) | 19.2 kn |
| Höchstgeschwindigkeit (getaucht) | 6.9 kn |
| Reichweite (über Wasser) | 31500 sm bei 10 kn |
| Reichweite (getaucht) | 57 sm bei 4 kn |
| Maximale Tauchtiefe | 200 m |
| Torpedorohre | 6 Stück (4 Bug, 2 Heck) |
| Torpedokapazität | 24 Torpedos |
| Flakgeschütz | 1 x 2.0 cm L/65 C/30 Flak / 1 x 3.7 cm M 42 schwere Flak |
| Deckgeschütz | 1 x 10.5 cm Utof L/45 Sk |
| Länge | 87.58 m |
| Breite | 7.5 m |
| Höhe | 10.20 m |
| Tiefgang | 5.35 m |
| Verdrängung (über Wasser) | 1616 Tonnen |
| Verdrängung (getaucht) | 1804 Tonnen |
Der Typ IX D2 war eine Weiterentwicklung des Vorgängertypen IX D1. Genau wie sein Vorgänger waren die IX D2 Boote um etwa 10 m länger als die restlichen Typ IX Boote. Die IX D2 Boote konnten vor allem mit ihrer enormen Reichweite von über 30’000 sm und ihrer hohen Maximalgeschwindigkeit von über 19 kn überzeugen. Mit diesen technischen Daten waren die Boote dieses Typs auch fähig, bis in den indischen Ozean oder nach Japan vorzudringen, um auch in diesen Gewässern gegen die Alliierten zu kämpfen. Aus diesem Grund wurde auch die Gruppe Monsun ins Leben gerufen, ein Kampfverband aus deutschen U-Booten, welcher in von Japan besetzten Häfen stationiert war. Die Boote des Typs IX D2 wurden auch für Einsätze im Südatlantik und vor der Küste Südafrikas verwendet, wo die hohen Geschwindigkeiten unerlässlich waren.
Artikelspezifische Quellen:
Deutsche U-Boote 1935 – 1945. 1999 – 2020 by Markus Hofmann. http://www.u-boote-online.de/typen/typ_ix_allg.html
Typ IX – Deutsches U-Boot-Museum. (2023, 28. März). Deutsches U-Boot-Museum. https://dubm.de/typ-ix/
Uboat.net – U-boat Operations- The Monsun U-boats. (o. D.). https://uboat.net/ops/monsun.htm

