Flakgeschütze

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Flaks (kurz für Flugabwehrkanone) sind neben den Torpedos das wichtigste Waffensystem auf einem U-Boot. Flakgeschütze sind automatische Maschinengewehre, die dazu eingebaut wurden, dass sich die U-Boote während Überwasserfahrten vor feindlichen Kampfflugzeugen verteidigen konnten. Dies war sehr wichtig, da es die einzige Verteidigungsmöglichkeit war, wenn ein U-Boot gezwungen war, Überwasser zu bleiben. Es gab viele Gründe in verschiedensten Situationen, warum ein U-Boot nicht abtauchen konnte. Zum Beispiel, wenn sich ein U-Boot im Hafen oder in sehr flachem Gewässer befand, wenn ein U-Boot beschädigt und somit tauchunfähig war, wenn sich ein U-Boot in einem Minenfeld oder einem Bereich mit Sperrnetzen befand oder auch, wenn Arbeiten über Deck gemacht werden mussten, wie zum Beispiel das Laden von Torpedos aus den extern Torpedobunkern in den Torpedoraum. In all diesen Situationen wäre es für ein U-Boot nicht möglich gewesen, in Sicherheit zu tauchen.

Zu Beginn des Krieges hatten alle U-Boot Typen ein 2.0 cm L/65 C/30 Flakgeschütz montiert. Bei den meisten Booten waren diese auf dem Turmbau im Wintergarten positioniert, damit das Geschütz 360° um das Boot alle Bereiche abdecken konnte. Bei U-Booten, bei denen der Turmbau kein Platz für ein Flakgeschütz bot, wurden die Geschütze auf dem Hinter- oder bei den Typ II Booten auch auf dem Vorderdeck installiert. Die grösseren Boote des Typs IX hatten auf dem Hinterdeck zusätzlich noch ein zweites Flakgeschütz, nämlich eine 3.7 cm M 42 schwere Flak, installiert, welches zusätzlich zum 2.0 cm Flak Schutz bieten konnte.

Im Verlaufe des Kriegs wurde dem BdU und dem OKM immer mehr bewusst, wie wichtig ein gutes Flugzeugabwehr-System war, da die Gefahr von Flugzeugangriffen für U-Boote ab 1942 drastisch zunahm. Vor 1942 wurden lediglich zwei Boote durch Flugzeuge versenkt, aber allein im Jahr 1942 wurden 31 Boote durch Flugzeuge versenkt. Aus diesem Grund wurde viel Priorität in die Weiterentwicklung der Flakgeschütze gesteckt. Einer der ersten Neuerungen waren 2.0 cm Flakgeschütze mit Doppelläufen, sogenannte Flakzwillinge. Damit konnte auf einen Schlag die Feuerrate verdoppelt werden, was zwar die Trefferquote erhöhte, aber auch bedeutete, dass die Munition doppelt so schnell aufgebraucht war als zuvor. Da die C/30 Flaks nur 20 Schuss Magazine verwendeten bedeutete auch, dass man die Geschütze im Gefecht oft nachladen musste, was zu grossen Schusspausen führte. Dies wurde mit den neueren C/38 Flak Modellen jedoch verbessert, die nun über 40 Schuss Magazine verfügten und somit länger am Stück schiessen konnten. Durch die Weiterentwicklung der Turmbauten konnten dann im Verlaufe des Krieges immer mehr Flakgeschütze auf den U-Booten montiert werden (mehr dazu im Artikel zu den Turmbauten). Durch diese neuen Turmbauten konnte man nun mehr Flakgeschütze auf den Türmen der Boote installieren. Auf einem grösseren Wintergarten konnte man zusätzlich eine 3.7 cm M 42 schwere Flak montieren. Dieser grössere Wintergarten ermöglichte dann auch, im späteren Kriegsverlauf ein 4x 2.0 cm C/38 Flakvierling zu verbauen, was nichts anderes ist, als ein C/38 Flakgeschütz mit vier Läufen, um die Feuerrate enorm zu erhöhen. Mit den neuen Turmbauten konnte man so bis zu drei Flakgeschütze gleichzeitig auf einem U-Boot installieren, womit man sich viel effektiver gegen Flugzeuge verteidigen konnte. Dies bedeutete aber auch, dass die Munition sehr schnell verschossen wurde und dass man sich nicht lange über Wasser gegen alliierte Flugzeuge verteidigen konnte.

Zwei 2.0 cm C/38 Flakzwillinge und ein 2.0 cm C/38 Flakvierling im Einsatz

Ein Hotspot für Flugzeugangriffe im zweiten Weltkrieg war die Bucht von Biskaya vor der Küste Frankreichs und Spaniens. Da ab 1940 die meisten Nordatlantikboote in Häfen an der Biskaya stationiert waren, mussten all diese Boote die Biskaya durchqueren, um zu ihrem Einsatzort im Nordatlantik zu kommen. Da die Biskaya sehr nahe an Grossbritannien gelegen ist, patrouillierten täglich viele alliierte Flugzeuge die Biskaya und hielten nach U-Booten Ausschau, um sie aufzuhalten, bevor sie überhaupt erst ihr Ziel erreichen konnten. Dies stellte sich als ein grosses Problem für die Kriegsmarine heraus, da sie viele ihrer U-Boote bereits in der Biskaya verloren. Deshalb wurden Pläne für einen speziellen U-Boot Typen entwickelt, der mit drei 2.0 cm C/38 Flakvierlingen ausgerüstet, Geleitschutz für andere U-Boote bieten soll. Diese Boote wurden als «U-Flak» Boote bezeichnet und waren umgerüstete Boote des Typs VII C (mehr dazu im Artikel des Typs VII C).

Auf den U-Booten des Typs XXI wurden standardmässig zwei Türme an 3.0 cm C/38 Flakzwillinge eingebaut. Sie waren somit die einzigen U-Boote mit Flakgeschützen jenes Kalibers. Auf früheren Einheiten des Typs XXI wurden noch zwei Türme an 2.0 cm C/38 Flakzwillingen verbaut, da die 3.0 cm Varianten zu diesem Zeitpunkt noch nicht verfügbar waren. Beide Türme waren auf dem Turmbau des Typs XXI installiert, mit einem in Richtung Bug und einem andern in Richtung Achtern. Die Türme wurden speziell designt, um dem allgemein sehr hydrodynamischen Design des Typs XXI nicht zu schaden.

Mit der Einführung des Schnorchels im Jahr 1944 verloren die Flakgeschütze jedoch etwas an Bedeutung. Der Schnorchel ermöglichte es den Booten nun länger getaucht zu bleiben, da sie nicht mehr zum Aufladen der Batterien und auftanken der Atemluft auftauchen mussten. Bei diesem Manöver waren sie früher leichte Ziele für angreifende Flugzeuge. Aus diesem Grund wurden die Flakgeschütze gegen Ende des Krieges viel seltener eingesetzt. Der Typ XXIII wurde nicht einmal mehr mit einem Flakgeschütz ausgerüstet.

Artikelspezifische Quellen:

Anti-aircraft Guns on U-boats – Technical pages – German U-boats of WWII – Kriegsmarine – Uboat.net. (o. D.). https://uboat.net/technical/flak.htm

DiGiulian, T. (2021, 13. November). Germany 2 cm/65 (0.79″) C/30 and C/38 – NaVWeaps. http://www.navweaps.com/Weapons/WNGER_20mm-65_c30.php

DiGiulian, T. (2020, 23. April). Germany 3.7 cm/69 (1.5″) Flak M42 – NAVWeaps. http://www.navweaps.com/Weapons/WNGER_37mm-69_mk42.php