Der Turm ist zusammen mit der Zentrale das Herzstück eines U-Bootes. In ihm befindet sich das Angriffssehrohr und auf dem Turm ist die Wachmannschaft stationiert, welche nach Zielen, Kampfschiffen und Flugzeugen Ausschau hält. Auf fast allen Turmbauten befanden sich auch Flakgeschütze zur Abwehr gegen Flugzeuge. Im Verlauf des Krieges entwickelten die Deutschen verschiedenste Turmbauten, vor allem mit dem Ziel mehr Flakgeschütze auf dem Turm zu stationieren, um sich noch effektiver gegen Flugzeuge wehren zu können. Man beachte, dass viele U-Boote leichte Variationen im Turmbau hatten und dass es auch kleine Unterschiede zwischen den verschiedenen U-Boot Typen gab, weshalb dieser Artikel sich lediglich auf die wichtigsten Formen und grösseren Veränderungen des Turmbaus fokussiert.
Die erste Entwicklung die es gab, war ein zusätzlicher, zweiter kleiner Wintergarten, der Achtern hinter dem Turm auf dem Hinterdeck aufgebaut wurde. Auf diesem zweiten «Mini-Turm» war Platz für ein weiteres 2.0 cm Flakgeschütz. Dies war aber nur eine temporäre Lösung, welche viele Probleme mit sich brachte. Das erste Problem war dass der zweite Turm komplett vom Haupt-Turm abgetrennt war. Bei schwererem Seegang war das zweite Flakgeschütz also gar nicht erreichbar. Das zweite Problem war, dass es sehr schwierig war, dieses Geschütz fortlaufend mit Munition zu versorgen, da die Distanz vom Geschütz zur Zentrale, wo sich die Munitionsbunker befanden, sehr gross war. Aus diesem Grund wurde dieser Turmbau zugunsten der nächsten Entwicklung nicht mehr auf neuen U-Booten verbaut.
Die nächste Entwicklung des Turmbaus baute einen zweiten Wintergarten direkt hinter den bereits bestehenden Turm an. Dieser Wintergarten war leicht tiefer gebaut als der vordere Wintergarten, damit das vordere Flakgeschütz über das hintere hinweg schiessen und somit 360° abdecken konnte. Diese Art von Turmbau hatte den grossen Vorteil, dass das zweite Flakgeschütz nun viel näher zur Kommandozentrale positioniert war und auch direkt vom Turm aus erreichbar war. Dieser Turmbau wurde auf vielen Typen wie z.B. dem Typ VII oder dem Typ IX verbaut.
Die nächste Generation des Turmbaus sah der vorherigen sehr ähnlich, mit einem grossen Unterschied. Genau wie der Vorgänger besass dieser Turmbau zwei Wintergärten, einem höheren und einem tieferen direkt hinter dem anderen, jedoch wurden beide Wintergärten in ihrer Fläche vergrössert. Dies bot nun zwei Vorteile. Auf dem oberen Wintergarten fanden nun gleich zwei 2.0 cm Flakgeschütze Platz und auf dem hinteren Wintergarten war jetzt Platz für eine 3.7 cm M 42 schwere Flak. Man hatte somit deutlich mehr Feuerkraft und konnte nicht mehr nur auf grossen U-Boot Typen, wie dem Typ IX eine schwere Flak installieren, sondern auch auf dem etwas kleineren Typ VII C, der vorher kein Platz bot für eine schwere Flak.

Speziellere Turmbauten besassen die Typen VII A und II. Die Turmbauten dieser Boote waren zu klein und zu schmal, um Platz für ein Flakgeschütz zu bieten, weshalb sich die Flakgeschütze dieser Boote auf dem Vorder- bzw. Hinterdeck befanden. Ab dem Typ VII B bekamen auch die VII Boote Turmbauten mit breiterem Wintergarten. Für den Typ II D wurde ein Turmbau entwickelt, auf dem zusätzlich, zu jenem auf dem Vorderdeck, Platz für ein zweites Flakgeschütz war.
Eine weitere Form des Turmbaus besassen die «U-Flak» Boote, welche zusätzlich auch noch vor dem Turm einen dritten Wintergarten hinzufügten. Somit fanden auf den Turmbauten der U-Flak Boote bis zu drei 2.0 cm C/38 Flakvierlinge Platz (mehr dazu im Artikel des Typs VII C).

Einen einzigartigen Turmbau hatten die U-Boote vom Typ XXI. Dieser unterscheidet sich sehr zu den früher gebauten Türmen. Genauso wie der Rest des Typ XXI, wurde auch dessen Turmbau so konzipiert, dass er möglichst hydrodynamisch ist, um das Boot bei Unterwasserfahrten so wenig wie möglich zu bremsen. So konnten die Geschwindigkeit und die Batterieleistung erhöht werden. Die Türme der Typ XXI Boote waren sehr schmal gebaut und hatten zwei Flaktürme, die in das hydrodynamische Design integriert waren. Dies alles führte zu sehr guten Unterwasserleistungen der Boote.
Da die Boote der späteren Typen XXI und XXIII ihre Patrouillen fast ausnahmslos Unterwasser durchführten, verloren die Turmbauten auch ein wenig an Bedeutung. Sie dienten vor allem noch zur Unterbringung von Technik, dem Schnorchel und den Seerohren.
Artikelspezifische Quellen:
Anti-aircraft Guns on U-boats – Technical pages – German U-boats of WWII – Kriegsmarine – Uboat.net. (o. D.). https://uboat.net/technical/flak.htm
Deutsche U-Boote 1935 – 1945. 1999 – 2020 by Markus Hofmann. http://www.u-boote-online.de/typen/typ_xxi.html

